In der ersten Nacht wurde ich von einem lauten Geräusch geweckt. Im Halbschlaf dachte ich mir, wer hat denn bloss den Ventilator so stark eingestellt? Vor lauter Müdigkeit bin ich aber einfach wieder eingeschlafen. Irgendwann in der Morgendämmerung war der Ventilator immer noch auf höchster Stufe, bis ich bemerkte, dass es sich gar nicht um den Deckenventilator handelt, der so ein Lärm macht. Es war der Regen, der so laut aufs Blechdach prasselte.
Endlich konnte ich dies auch einmal erleben – ich habe es nur immer aus Erzählungen von Isaacs Kindheit gehört. Immer wiedermal hat er mir davon erzählt, wie er es als Kind liebte, wenn er mit dem Regengeräusch einschlafen konnte.
Irgendwann kurz vor 7 Uhr wollte Skyah aufstehen – obwohl sie erst gegen Mitternacht ins Bett ging. Wir sind in Ghana zwei Stunden hinterher, so war es in der Schweiz bereits kurz vor 9 Uhr, da wollte sie nicht mehr schlafen. „Mist“, dachte ich mir, „ich bin doch noch so müde“. Naja, wenn das Kind auf will, dann gibt es nichts zu diskutieren. So standen wir auf und assen unser Morgenessen. Es gab Koko (auch Porridge genannt), das ist eine ghanaische Mahlzeit (oftmals isst man diese zum Morgenessen oder als Snack). Koko besteht aus fermentiertem Mais, welcher im Wasser gekocht und anschliessend mit Kondensmilch und Zucker vermischt wird. Mein Geschmack ist es nicht unbedingt, aber es gibt eigentlich selten Essen, welches ich nicht essen kann. Darum ass ich es trotzdem. Als ich zu Silas hinüberschaute, stand ihm seine Faszination ins Gesicht geschrieben. Dieser hat nur schon beim Anblick seine Nase gerümpft. So hat er keinen einzigen Tropfen davon probiert. „Na toll“, dachte ich mir, „das wird ja lustig. Wohl wieder wie das erste Mal als wir mit ihm nach Ghana gingen.“ Silas ist ab heute auf Diät. Skyah hingegen konnte kaum genug davon kriegen. Sie schlang jeden Löffel nur so hinunter. Trotz gleicher Erziehung, könnten unsere Kinder kaum unterschiedlicher sein und das ist auch toll so. Das macht doch das Leben erst richtig spannend. Ich wünsche mir, dass beide ihre Einmaligkeit immer ausleben dürfen, ohne sich dabei komisch oder nicht akzeptiert zu fühlen.

Wenn man in einen richtigen ghanaischen Haushalt geht, darf natürlich Fufu nicht fehlen. Es ist ein Hauptgericht, welches die Ghanaer lieben. Meine Schwiegermutter meinte einmal sogar: „Wenn ich an einem Tag nicht Fufu esse, fühlt es sich an, als ob etwas fehlt.“ Dabei muss gesagt werden; meine Schwiegermutter ist eine der Ghanaerinnen, welche wirklich sehr Fufu-verliebt ist. Fast noch mehr, wie mein Vater Raclette liebte. Es besteht aus gekochten Kochbananen (Plantain) und Casava/Maniok oder auch Cocoyam, welche zu einer – wenn ich es beschreiben müsste – teigartigen Masse gestampft werden, die man anschliessend zusammen mit einer Suppe (z.B. Lightsoup) isst. Dieses Gericht ist natürlich nicht schnell gemacht, es braucht viel Zeit und Kraft. Im Allgemeinen braucht ghanaisches Essen oftmals sehr viel Zeitaufwand. (Hierzu werde ich bestimmt auch noch einen Artikel machen.) Fufu! Wir liebten es alle (ausser Silas) – der ist immer noch auf Diät. Keine Sorge, er musste nicht hungern, ich habe für ihn improvisiert.

Skyah ist so ein Vielfrass, dass sie manchmal mit ihren schnellen Fingern ab und zu Sachen in den Mund steckte, welche bereits auf dem Boden lagen. Sehr klug war das wohl nicht, denn der Boden hier ist nicht der Sauberste. Aber ihre Hände waren einfach viel schneller als unsere. So endete das Essen in ihrem Mund und anschliessend in ihrem Magen.
Der erste Tag in Ghana gingen wir locker an, so assen wir, liessen die Kinder spielen und sasse im Schatten und schauten ihnen dabei zu. Es ist so schön zu beobachten, wie Silas mit seinen Cousins spielt, als ob er sie schon seit eh und je kennt. Er geht total auf, was man bei ihm mit anderen Kindern nicht auf anhieb sieht. Er braucht meistens Zeit, wenn er die Leute noch nicht so gut kennt. Das lässt mein Mutterherz natürlich richtig strahlen, es ist so schön, wenn man die Freude und das Glück in den Augen seiner Kinder sieht.

Als es dann Abend wurde und die Kinder Bettfertig waren, ging ich gleich mit ihnen zusammen ins Bett. Die Müdigkeit regierte meinen Körper immer noch. Viel Erholung brachte diese Nacht jedoch auch nicht. Denn ich wurde von Skyah geweckt, ich hörte sie würgen und war hellwach. Da bemerkte ich, dass sie gerade über das Bett und mich erbrochen hat. „Oh nein, das sind wohl die Folgen von Skyah’s schnellen Fingern“, dachte ich mir und mein Mutterherz löste Alarmstufe rot aus. Eifrig weckte ich Isaac, der mir dann zur Hilfe kam. So ging es dann ziemlich die ganze Nacht, viel Schlaf konnte ich also nicht nachholen.
Am nächsten Tag kam dann Isaac’s Mutter von Obenumasi, sie wohnt dort – in dem Dorf, welches sich ganz in der Nähe von Kumasi – weiter im Landesinneren befindet. Auch diese fühlte sich im Verlauf vom Abend nicht sonderlich gut. Sie vermutete Malaria, wollte jedoch die Nacht abwarten. Normalerweise empfiehlt man, bei Symptonen direkt einen Arzt aufzusuchen. Die Leute hier, leben aber bereits lange mit dieser Krankheit und handhaben dies ein bisschen anders.
Nun lag also nicht nur Skyah flach, sondern auch Alice. Skyah hat ihre Magenverstimmung dann irgendwann nach ca. zwei Tagen überwunden, Alice lag immer noch im Bett und ass kaum etwas. Nach einigen Tagen und viel Überzeugungskraft, ging sie dann zum Arzt, es war nicht Malaria und mittlerweile ist sie auch wieder auf dem Weg zur Besserung.
Mir war immer Bewusst, dass diese Reise ein Abenteuer wird, aber dass es gleich am Anfang eine solche Wende nimmt, habe ich nicht erwartet.
Wie unsere Reise weitergeht, erfährt ihr im nächsten Post…
Ein Kommentar zu “Erst angekommen und bereits krank?”