Ein Spaziergang mit vielen Begegnungen

Joana, meine Schwägerin hat sich einen neuen Hund gekauft. Hunde dienen hier oftmals als Nutztier, selten als Haustier, wie ich es kenne. Simba heisst der neue Familienzuwachs. Er ist der Nachfolger von Pan, der leider verstorben ist. Er wird zusammen mit Daisy dafür zuständig sein, das Haus in der Nacht zu bewachen. Eines muss gesagt sein, die zwei Hunde sind sehr laut. Normalerweise liebe ich Hunde sehr, doch ich muss zugeben, dass ich von Daisy, dem älteren Hund, ein bisschen eingeschüchtert bin. 

Da die Hunde tagsüber meist in ihrer Hütte verbringen, entschieden wir uns Simba den jüngere Hund zu einem Spaziergang auszuführen. (Zu Daisy möchte ich vorerst noch Vertrauen aufbauen, bevor ich mich in ihre Nähe getraue.) Die jüngeren Kids und Isaac kamen mit, doch Simba war wohl mit unserem Plan nicht ganz einverstanden. Er wollte gar nicht erst mitkommen, da er so eingeschüchtert war. (Sie haben Simba erst seit kurzer Zeit) So musste ich ihn zuerst über die Schwelle, wo das Wasser bei starkem Regen durchfliesst, tragen. Aber selbst dann, war er noch nicht bereit mit uns mitzukommen. So musste ich ihn für einen Moment ein bisschen mitziehen. Irgendwann war er dann soweit, dass er von alleine mitkam. Man merkte, dass er mit jedem Schritt, mehr Gefallen an diesem Spaziergang fand. 

Da die eine Brücke zur anderen Seite vom starken Regen gebrochen ist und somit die zwei Strassen von einander getrennt sind, kam netterweise ein Herr mit einer selbst gebastelten Holzleiter. Wir stiegen mit der Leiter in das Beet, wo jeweils das Wasser in der Regenzeit durchfliesst, hinunter. Simba nahm ich in meine Arme und stieg mit ihm zusammen hinunter. Auf der anderen Seite benötigten wir die Leiter nicht mehr. 

Hinter mir die zerfallene Brücke und die zuvor erwähnte Leiter
Beim Erkunden der Gegend

Der Spaziergang ging ziemlich weit; Skyah im Luemai (was für eine tolle Traghilfe) und die Jungs mal voraus und wenn sie müde wurden bei uns an den Händen. Wir begegneten Hühnern, Enten, Geissen und wilden-, sowie Wachhunde vor den Häusern. Einmal begegneten wir einer Geissenfamilie, welche uns anschliessend hinterherliefen. Sobald wir uns umkehrten, erstarrten sie. Da kam mir das Spiel aus meiner Kindheit in den Sinn, ich kenne es als „Eine Tasse Tee“. Ein Kind steht vorne und dreht sich mit dem Rücken gegen die restlichen Kinder. Währenddessen sagt es folgenden Spruch „Eine Tasse Tee mit Zucker und Kaffee“ und die Kinder springen dem Kind entgegen. Nach dem Spruch dreht das vorderste Kind sich um und alle Kinder müssen sofort stehen bleiben und sich nicht mehr bewegen. Wer sich bewegt, fliegt aus dem Spiel raus. Wer das Kind, welches vorne steht zuerst berührt, hat gewonnen. So „spielte“ ich dieses Spiel mit den Geissen und ein paar Kids schauten mir dabei zu und dachten sich wohl, was ich da mache.

In unseren letzten Woche in der Schweiz trafen wir eine Freundin und dessen Mann und Kind. Wir hatten eins bis zwei Gläser zu viel und Isaac erzählte uns seine Erfahrungen mit Hunden aus der Kindheit. Oftmals klang es nach Geschichten, die er selbst erfunden hat. Wir alle mussten bei seinen Erzählungen, von mehreren Hunde die ihn verfolgten so lachen. Diese Geschichte kann ich euch nicht vorenthalten, so machen wir einen kleinen Abstecher in Isaacs Kindheit; Isaacs Erzählung: „Eines Tages als ich auf dem Weg zum Wasser holen war, begegnete ich einem Salamander, welcher auf den ersten Blick wie eine Schlange aussah. Völlig überrascht schrie ich auf und der Hund, welcher sich direkt bei mir in der Nähe befand, sprang bellend davon. Als ich mit dem Wassereimer weiterging, kamen plötzlich mehrere Hunde bellend auf mich zu. Es schien, als ob der Hund zuvor Verstärkung holte. Aus Angst liess ich den Kessel gefüllt mit Wasser zu Boden fallen und sprang so schnell ich konnte Richtung Haus von dem Nachbarn, welchem die Hunde gehörten. Mit einem Satz sprang ich auf seine Beine und hielt mich fest. Alle Leute, mit welchen er draussen sass lachten mich aus und die Hunde blieben bellend stehen.“

Jetzt rückblickend auf diese Story verstehe ich Isaac, denn nach unserem Erlebnis mit den Geissen bellten uns bestimmt fünf Hunde von allen Seiten verteilt an. Sie umkreisten uns und nahmen erst Abstand, als Isaac einen grossen Stock zu sich nahm und signalisierte, dass sie nicht näher kommen sollen. Die Hunde blieben zurück und wir führten unseren Spaziergang weiter. Im Verlauf des Spaziergangs hörten wir nur noch Hunde hinter den Toren bellen. Laut unseren Verwandten haben Einbrüche in Accra sehr zugenommen, deshalb gibt es mittlerweile auch viel mehr Hunde in der Umgebung.

Müde Zuhause angekommen, wollte Simba gar nicht mehr zurück, er fand wohl Gefallen an den verschiedenen Begegnungen und neuen Geschmäcker. Auch ich bin begeistert, was man hier in der Umgebung auf so einem Spaziergang alles antrifft. Wir wollten uns eigentlich nur die Umgebung ansehen, wie sich diese entwickelt hat. Daraus wurde ein richtiges Abenteuer mit Begegnungen aller Arten.

Was wohl die Zeit in Ghana noch alles mit sich bringen wird?                                                                                                                                                                                  

Hinterlasse einen Kommentar