Diesen Artikel zu veröffentlichen braucht doch etwas Überwindung. Es ist schwierig, negative Gefühle – dazu noch öffentlich – zu zeigen. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man nicht nur die schönen Sachen teilt. Denn das Leben ist nicht immer bunt und rosig, sondern manchmal einfach frustrierend. Darum habe ich mich entschieden diesen Blog so echt wie möglich zu halten. Und da gehören genau solche Artikel auch dazu:
Am liebsten würde ich jetzt einfach laut rausschreien. Mir fehlt es an Erholung und Ruhe, welche ich nach dieser anstrengender Zeit in der Schweiz dringend nötig hätte. Dazu kommt, dass es hier immer überall so staubig und schmutzig ist. Selbst in unserem Zimmer kann man den Schmutz nicht verhindern. Man könnte täglich mindestens vier Mal den Boden wischen und der Staub wäre als ob man die ganze Woche nicht gewischt hat. Sobald man von Aussen reingeht, bringt man Sand mit. Dazu kommt, dass unser Haus ein halber Rohbau ist. Hier in Ghana baut man immer Stück für Stück, soweit das Geld reicht. Und da der Grundbau so gross ist, gibt es noch sehr sehr viele Baustellen.



Obwohl ich mich ein bisschen daran gewöhnt habe, nervt es mich immer noch sehr. Hier bin ich in unserer Wohnung in der Schweiz wohl einfach sehr verwöhnt. Alles funktioniert und wenn nicht, ruft man jemanden an, der dann das Problem fixt. Hier in Ghana läuft das anders. Es gibt so viele Sachen zum fixen, dass man gar nicht weiss wo man überhaupt anfangen soll. Und oftmals reicht auch das Geld gar nicht, um das Problem überhaupt zu beheben. Sie tun ihr bestes, um hier zu leben und blenden viele der Baustellen wohl auch selber aus.
Nun sitze ich müde da, vor Joanas Shop, alleine mit den Kids und bin genervt und gereizt, obwohl ich eigentlich weiss, dass sie es uns so komfortabel wie möglich gestalten möchten. Heute ist mir wohl nicht zu helfen, alles nervt mich, mein Mann, frustriert über unsere aktuelle Wohnsituation und dass sich die Wohnungssuche doch schwieriger gestaltet als gedacht. Man kann es kaum glauben, aber hier eine miet- und bezahlbare Wohnung zu finden ist sehr schwierig. Oftmals sind 2 Schlafzimmer Wohnungen schnell einmal Fr. 3500.- zumindest in Accra. Natürlich spreche ich hier von Wohnungen oder Häuser in sicheren Umgebungen und einem normalen Standart. Oft werden die mietbaren Wohnungen entweder luxuriös oder viel zu gross gebaut. Und ausserhalb findet man meistens gar nichts zum Mieten.


Ich wünschte ich wäre bereits jetzt unabhängiger unterwegs. Vielleicht könnte ich das sogar, ich müsste es einfach nur tun?
So verbringe ich wieder einmal mehr Zeit mit den Kids, währenddessen Isaac und seine Schwester Sachen ausserhalb vom Haus erledigen. Das dauert meistens mindestens ein halber Tag, da man hier nicht einfach schnell in der Migros alle Einkäufe erledigt und dann noch kurz im Jumbo Baumaterial besorgt. Hier ist das ein ganzer Prozess und dauert eben manchmal einen halben Tag oder sogar mehrere Tage. Den Prozess mich ans Tempo von Ghana anzupassen, fällt mir irgendwie schwer. Obwohl es mir bereits einfacher fällt wie die anderen Jahre.
Was mir hier übrigens richtig gefällt ist, dass mich die Leute die hier vorbei spazieren fast alle freundlich Grüssen. Trotz meiner bösen Miene die ich vermutlich gerade habe. Und wenn ich jetzt so da sitze und um mich schaue, stelle ich mir die Frage; wie wäre es wohl, wenn ich hier nicht zu Besuch wäre und das hier mein Leben wäre. Jeden Tag vor diesem Shop warten, bis der nächste Kunde kommt? Würde ich mir dann solche Gedanken überhaupt machen? Diese Frage werde ich mir wohl nie klar beantworten können.
Da mich meine Gedanken in diesem Moment sowieso nicht sonderlich weiterbringen, entscheide ich mich, aufzustehen und etwas gegen das was mich frustriert zu machen. Und da ich nicht genau weiss, wo ich anfangen soll, fange ich einfach irgendwo an und lasse mich dabei treiben. So sammelte ich sämtliche Abfallstücke, welche vor dem Shop auf dem Boden lagen ein und warf sie in den Abfall. Da kam auch schon Silas angerannt und fragte mich, was ich denn da mache. Als ich ihm erklärte, dass ich die Umgebung säubere, fand er das eine super Idee und wollte auch gleich mitmachen. So erfreuten wir uns gemeinsam, an jedem Stück Plastik, Bierdeckel etc. welches wir vom Boden aufhoben. Es wurde ein regelrechtes Spiel, wer mehr Abfall zusammensammelt. Als wir dann irgendwann alles Sichtbare in den Abfall geworfen haben, hat mich das Putzfieber gepackt und ich räume und wische auch gleich noch das Innere vom Shop und ein Teil vom unteren Stock von unserem Haus. (Dieser ist ein kompletter Rohbau)
Nach dieser Aufräumaktion fühle ich mich auch bereits viel besser. Nicht mehr so frustriert und genervt, sondern einfach froh über diese Veränderung. Wie einfach es doch manchmal ist. Anstatt genervt da zu sitzen, habe ich mich entschieden ein Teil der Veränderung zu sein. Dabei stellte ich mir die Frage: Gibt es etwas, was ich dazu beitragen kann, damit sich die Situation für mich und vielleicht für die Anderen verbessert?
Stell doch auch du dir ab und zu die Frage: Kann ich ein Teil der Veränderung sein? Was kann ich dazu beitragen, damit es mir oder auch den Anderen dabei besser geht?