Und dann wurde er zum König

Als ich am morgen mit Isaacs Schwester in der Küche stand, erzählte sie mir, dass ein Schulfreund von ihr am nächsten Montag König in seinem Dorf wird. Im Jahr 1695 (gem. Wikipedia) wurde Osei Tutu der erste König (eine Art Chief vom Dorf/Ortschaft) im Ashanti Reich. Diese Tradition ist immer noch bestehend und so gibt es heute praktisch in jedem Dorf in der Ashanti Region einen König. In Twi (engl. Akan), der Amtssprache der Ashanti (auch die am meisten verbreitete Sprache in Ghana) nennt man den König „Nana“. In diesem Artikel werde ich nicht über die Geschichte der Ashanti und deren Könige schreiben, sondern einfach von dem erzählen, was ich erlebt habe. Falls euch die Geschichte interessiert, werde ich euch ein paar Artikel unten verlinken. 

Zurück zu mir und meiner Schwägerin in der Küche; sie erzählte mir, dass sie für drei Tage nach Kumasi reisen wird, um ein Teil vom „enstoolment of Nana Asomoah“ zu sein. Falls ich möchte, können wir mitkommen. Da musste ich kein zweites Mal überlegen und willigte sofort ein. Erst im Nachhinein machte ich mir darüber Gedanken, dass zwischen Accra und Kumasi ca. 4-5 Stunden Autofahrt liegen und wir ja zwei kleine Kinder haben, welche eine so lange Autofahrt wohl nicht so toll finden werden. Vor allem weil wir ja nur für zwei Nächte dort sind. Trotzdem war es schon sehr verlockend, so etwas einmal hautnah mitzuerleben. Denn schliesslich hat man nicht immer die Chance bei einem solchen Ereignis dabei zu sein. Ein König kann man laut meiner Schwägerin nur werden, wenn man der erstgeborene Sohn von einer Königsfamilie ist. Also packten wir am Samstag Abend unsere Sachen und reisten Sonntagsfrüh ab. 

Von unserem Haus bis zur Hauptstrasse ist die Strasse sehr holprig. Silas meinte ganz am Anfang mal, das sei ja wie auf einem Trampolin. In Ghana gibt es mittlerweile ganz gute Hauptstrassen, selbst die Strasse bis Kumasi ist viel besser geworden wie vor 4-5 Jahren, als wir das letzte Mal nach Kumasi gefahren sind. Die Seitenstrassen hingegen bestehen meist aus dem schöne roten Sand und dort hat es halt oftmals „Schlaglöcher“. Dort fährt man immer schön vorsichtig und wird trotzdem ziemlich durchgerüttelt. 

Nach 4 Stunden Autofahrt und nur einem Zwischenstopp für ein paar Meatpies (ghanaisches Gebäck) sind wir endlich in Kumasi angekommen. Unsere Kinder waren unglaublich geduldig,  praktisch die ganze Autofahrt sassen sie zufrieden da und haben gemalt, einfach aus dem Fenster geschaut oder geschlafen. Dafür bin ich so dankbar, wieviel Geduld wie sie mit uns haben. Denn wie beim letzten Artikel beschrieben, war ich die letzten Tage glaube ich schon ziemlich zickig. 

Auf dem Weg nach Kumasi

Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir im Haus von einem Freund vom baldigen König. Ein Haus mit fünf Schlafzimmern mit jeweils einem verbundenen Bad und der Garten im Haus ist auch gleich eine kleine Plantage mit Kochbananen und anderem Gemüse/Früchte. So etwas wäre mein Traum, ausser dass mein Haus kleiner wäre und näher am Meer. 

Am Montagmorgen drang laute Musik bis in unser Zimmer, die Leute im Haus schienen alle wach zu sein und sich auf den grossen Tag vorzubereiten. Als wir aus dem Zimmer kamen, roch es auch bereits lecker nach frisch gekochtem Essen. Es gab ein reichliches Rührei und Tea (was kein Tee ist wie wir es kennen, sondern Schoko Milo Pulver mit heissem Wasser und Kondensmilch gemischt). 

Auch wir machten uns dann irgendwann bereit und fuhren mit dem Auto ins Dorf wo die Zeremonie stattfand. Wow, war das heiss mit der Sonne die uns auf den Kopf schien. Im Haus vom König fand der erste Teil der Zeremonie statt, die Männer schlugen auf die Trommeln und begrüssten damit den König, der Vorne mit der Familie und den Ältesten sass. Bei einem „enstoolment of the King“ ist es Tradition, dass sich sämtliche Leute in Schwarz kleiden. Ich muss zugeben, ich habe gedacht, dass alle Leute mit ihren schönen farbigen Kleidern kommen werden. Zum Glück hat uns meine Schwägerin bereits vorgewarnt, sonst wären wir wohl die einzigen bunten Vögel dort gewesen.  

Bei der Begrüssung

Nach einiger Zeit kamen ein paar Männer mit ihren Hörnern und begleiteten den König mit dem lauten Klang ins nächste Haus, welches man den Palast nennt. Dort findet die eigentliche Zeremonie statt. Leider habe ich von der Zeremonie nicht sonderlich viel gesehen, da die vorderste Reihe voll mit Video-, Fotografen und Hobbyfilmern bestand. Laut meiner Schwägerin musste der König ein Versprechen ablegen und mitteilen, was er dafür machen wird, um diesem Dorf zu dienen. Hierfür musste er sein Wort geben.

Die Männer welche den König in den Palast begleiten

Als niemand etwas dagegen einzuwenden hatte, dass Nana Amosoah König wird, jubelten alle rundherum dem König zu. Währenddessen wurde dieser von mehreren Männern Richtung Ausgang getragen. 

Was für eine Stimmung, alle Menschen um mich herum lachten, tanzten, klatschten und die Trommeln sind so laut, dass man die Vibration im eigenen Körper spürt. Ich liebe solche Stimmungen, solche Glücksmomente, wo die Menschen um mich herum glücklich sind und dies in unterschiedlichster Art zeigen. Auf dem Weg nach draussen, bewarfen die Leute ihn mit weissem Pulver. (Welches meiner Meinung nach wie Babypulver roch) Dies sei eine Tradition, etwa so wie wir das Brautpaar mit Reis bewerfen, wenn diese geheiratet haben. Eine genaue Bedeutung gibt es anscheinend nicht. Der König wurde weiter durch das Dorf getragen, stehts begleitet mit der lauten Trommel- und Hornmusik. Als er dann wieder in den Palast zurückkehrte, war er vollkommen weiss gekleidet. 

Als sie ihn durch Dorf trugen

Anschliessend machten wir uns auf den Weg zum Fest. Isaac erzählt mir, dass dies jeweils immer das Highlight der Menschen dort ist. Da es bei solchen Fester immer leckeres Essen gibt. Beim Fest angekommen, bemerkte ich, dass sich einige Leute auch umgezogen haben. Sie trugen nicht mehr schwarz, sondern kamen in ihren weissen Kleidern zum Fest. 

Während auch wir auf unser Essen warteten, wurde es plötzlich düster. Dunkle, schwarze Wolken bildeten sich über uns und es fing an zu winden. Es wird wohl bald anfangen zu regnen. Sämtliche Leute auf dem Platz verschwanden schneller, als sie gekommen sind und schon bald waren praktisch keine Leute mehr da. Auch der König, stieg in sein Auto ein und machte sich aus dem Staub. Als wir doch noch zu unserem Jollof Reis kamen, stiegen auch wir ins Auto und fuhren wieder zurück zum Haus, wo wir unsere letzte Nacht verbrachten. 

Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg nach Hause und machten noch schnell einen Zwischenstopp in Obenumasi, wo meine Schwiegermutter wohnt. 

Auf der Dachterrasse vom Familienhaus
Die Treppe in den Innenhof
Beim Essen, hier teilen wir uns den Teller mit der Familie und essen von Hand, ich finde das so toll!

Nun sitze ich hier mit so vielen neuen Eindrücke und merke, dass ich doch noch einige Fragezeichen habe. Viele unbeantwortete Fragen, da es sich bei dieser Tradition um eine enorme kulturelle und spannende Geschichte handelt.

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