Eine Auszeit am Strand

Hier in Ghana lässt es sich extrem gut in den Tag hinein leben. Wir haben zwar eine Liste von Sachen, welche wir gerne erledigen möchten, jedoch so richtig etwas geplant haben wir bisher noch praktisch nie. Und irgendwie fühlt man sich manchmal, als ob man nichts getan hat – aber irgendwie hat man doch so vieles erlebt.

Normalerweise gehen wir am Abend ins Bett und wenn wir am morgen aufwachen, zählen wir auf, was wir gerne erledigen möchten. Ob dann wirklich alles erledigt werden kann, weiss man nie so genau, denn hier geht es meistens nicht wirklich nach Plan.

Was aber so gut wie immer nach Plan geht, ist das Frühstück für unsere Kids. Jeden Morgen mixe ich ihnen Papaya und Bananen und vermische diese dann mit Haferflocken. Unsere Kids lieben es, meine Neffen wohl eher nicht. Die essen abgesehen von ungemixten Bananen und ungemixten Papaya, weder Früchte noch Gemüse. Der Jüngste von den Drei probiert manchmal, aber er ist gerade die Copy-Cat von seinem älteren Bruder, und der mag so gut wie keine Mahlzeit und das sage ich wirklich nicht mit Übertreibung. Man könnte die Mahlzeiten die er isst wohl an einer Hand abzählen.

An diesem Morgen, es war Sonntag, weckten mich die Kinder und ich stand auf, um ihnen Frühstück zu machen. Da Isaac wohl bis spät in die Nacht an seinem Computer gearbeitet hat, liess ich ihn noch weiterschlafen. Dazu hat er die Tage auch sehr viel im Haus herumgebastelt und war drei Tage immer wieder unterwegs um sämtliche Teile, welche es für die neue Waschmaschine benötigt, zusammen zu suchen. Das ist aber wieder eine ganz andere Geschichte. So schweife ich kurz ab; Die Waschmaschine welche meine Schwägerin vorher hatte, war zwar weniger Arbeit als dort wo sie die Wäsche noch von Hand waschen musste – aber als ich einmal unsere Wäsche gewaschen hatte, sagte ich zu ihr; und das machst du mit einem 5-Personen Haushalt jedes Mal?? 

Das brachte sie zum schmunzeln und hat mich hierfür fast ein bisschen ausgelacht, da ich dies als so anstrengend empfand. Nicht dass sie es selber nicht anstrengend findet, aber sie musste wohl einfach lachen, weil sie das bereits seit Jahren so macht. Da meinte ich zu Isaac, lass uns doch nach einer anderen Waschmaschine Ausschau halten, evtl. gibt es eine zu einem guten Preis. So kauften wir glatt am nächsten Tag ungeplant eine neue Maschine, wo man die Wäsche einwirft, das Programm einstellt und einfach den Startknopf druckt. So einfach und doch empfand ich es, bis gerade eben, noch als sehr mühsam. Jetzt bin ich einfach froh, dass sie wieder eine Erleichterung im Alltag hat und ich auch gleich noch davon profitieren kann. 

Seit längerer Zeit – es hat bereits in der Schweiz angefangen – habe ich eine Auszeit nötig. Also gingen wir an dem besagten Sonntag endlich an den Strand. Das weite Meer und die Küste mit dem feinen Sand war etwas nach dem ich mich bereits seit langem sehnte. Endlich machten wir uns auf den Weg nach Kokrobite, auch bekannt als das Surfers Paradise. Ghana hat viele schöne und lange Küsten mit hohen Wellen, wo die Surfer gerne verweilen. Auf dem Weg dahin fuhren wir am Bojo Beach Resort vorbei. Hier gingen wir bis jetzt jedes Mal vorbei, aber kehrten jeweils beim Preis wieder um. Auch dieses Mal schien es fast so, als ob wir nicht gehen würden. Dieses Mal nahm es mich aber wirklich Wunder, wie es innerhalb von Bojo Beach aussah, so zahlten wir den Eintritt von 20 Ghana Cedis, was umgerechnet ca. Fr. 3.- und für uns „Touristen“ eigentlich überhaupt nicht teuer ist. Uns ging es jeweils ums Prinzip, dass diese Anlage für lokale Leute – die in dieser Umgebung leben – nicht mehr zugänglich ist, da der Preis für diese wirklich überteuert geworden ist. 

Als wir über die Brücke in die Anlage eintraten, staunte ich wie schön es dort ist. Der eigentliche Strand ist von einem See abgetrennt. Darum wurden wir von einem Boot auf die andere Seite gebracht. Bis jetzt habe ich hier in Ghana noch nie einen solch sauberen Strand gesehen, überall wo ich hinschaute, war es sauber. Am Strand brachten uns ein paar Jungs – ich schätze sie so ca. 12 Jahre – die Stühle und den Sonnenschirm. Die Kinder helfen hier schon ziemlich früh mit, nicht nur im Haushalt sondern auch um den Lebensunterhalt mitzufinanzieren. Unser Neffe der bald 13 Jahre alt wird, muss auch jeweils nach der Schule seiner Mutter im Shop aushelfen, resp. den Shop führen. 

Auf der anderen Seite vom See, beim Hinweg zum Strand

Als wir da sassen und den riesigen Wellen zuschauten, gingen die Kids immer ein bisschen näher Richtung Wasser. So haben wir sie dazu motiviert, ihre Badesachen anzuziehen. Zusammen mit den Jungs, Dave, Leroy, Zachary und Silas ging ich zum Wasser, damit ich schneller in der Nähe bin, falls einer untergeht. Unglaublich, was für eine Kraft diese Wellen haben. Die waren so stark, dass wenn die Kinder beim Wellenrückgang zu nahe ans Wasser gingen, zog es sie mit dem nächsten Wellengang mit voller Kraft hinein. Auch Skyah wollte irgendwann ins Wasser. Sie konnte kaum genug davon kriegen und sprang mir immer wieder in Richtung Wasser davon und das fast den gesamte restliche Nachmittag. Irgendwann konnten wir sie dann doch noch mit dem Sand ablenken. Sie und Silas haben sich fast wie Hunde darin gewälzt, von Kopf bis Fuss waren sie voller Sand. 

Irgendwann ging die Sonne langsam unter, da machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Boot, damit wir anschliessend irgendwo noch etwas essen gehen können. Auf der anderen Seite vom See, gab es eine Dusche. Diese funktionierte jedoch nicht, es stand ein grosses, blaues Fass daneben und darauf war ein Kessel, mit einem Loch. Diesen konnte man benutzen um das Wasser aus dem Fass zu nehmen und sich dieses dann durch das Loch über den Kopf fliessen lassen. Kreativ. In vielen Hinsichten sind die Ghanaer einfach kreativ und innovativ und das fasziniert mich immer wieder..

Auf dem Rückweg
In der Abenddämmerung

Bestimmt wird es hier auf diesem Blog auch bald Geschichten von Menschen geben, welche mir auf dieser Reise begegnen. 

Ein Kommentar zu “Eine Auszeit am Strand

Hinterlasse einen Kommentar