Vom Uber Driver bis zum Strassenverkäufer

Wie letztes Mal erwähnt, sind wir im Moment oft mit Uber unterwegs und so erfahren wir immer wieder spannende Geschichten. Unser letzter Uber Fahrer hat uns zum Beispiel erzählt, dass er bis vor Kurzem noch für das Militär tätig war. Er war in Guinea stationiert und hat dort den Präsidenten chauffiert. Dadurch war er auch sehr viel unterwegs – unter anderem auch in Genf, Schweiz. Leider ist seine Frau verstorben und deshalb musste er zurück, um sich um seine Kinder zu kümmern. Aus diesem Grund fährt er momentan Uber. Durch das lange Gespräch, hat er wohl vollkommen vergessen, dass er praktisch kein Benzin mehr hatte. So rollte das Auto plötzlich immer langsamer, bis wir still standen. Und dies 3 Minuten vor unserem Ziel. Zu unserem Glück, war die letzte Tankstelle nicht weit entfernt. So nahm er seinen Kanister und machte sich auf den Weg, um Benzin zu holen. Ein paar Minuten später kam er wieder zurück und wir kamen doch noch ans Ziel.

Bei unterschiedlichsten Diskussionen mit unseren Fahrern ist uns immer wieder aufgefallen, wie verschieden unser Alltag doch ist. Unsere Probleme sowie Diskussionen in der Schweiz sind total anders wie die Probleme und Diskussionen vom Durchschnitt hier in Ghana. Ghana ist angeblich das Land mit dem grössten Wirtschaftswachstum und es gibt auch sehr viele Menschen, welche sehr viel Geld auf dem Bankkonto haben. Die registrierte Arbeitslosenquote erscheint zwar nicht als ziemlich hoch, aber eben, das ist einfach eine Zahl und viele Menschen werden dort wohl auch nicht mit einberechnet sein. Die Realität, welche wir durch Gespräche und unseren eigenen Augen beobachten sieht wohl ganz anders aus. Sehr viele Menschen hier leben am Limit. Bei meinen Aussagen handelt es sich natürlich nur um meine eigene Wahrnehmung und was ich beobachtet habe. Wie es tatsächlich aussieht, weiss ich nicht.

Einer der Wohnblöcke wo Menschen mit einem hohen Salär wohnen. Denn die Mieten hier sind für eine 3 Schlafzimmer-Wohnung um die $2700 aber können auch schnell um die $4500 im Monat kosten.

Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und im Stau steht, trifft man vorallem in der Nähe von Ampeln Frauen und Männer am Strassenrand und auch mitten auf der Strasse an. Diese verkaufen Essen, Trinken, Toilettenpapier, Kinderbücher, Bilder für ins Wohnzimmer und vieles mehr. Die schweren Sachen, tragen grösstenteils die Frauen auf ihrem Kopf. Die Männer verkaufen mehrheitlich Sachen wie Sonnenbrillen, Kinderbücher, Gadgets oder putzen die Autoscheiben. Laut meiner Schwägerin sind das meistens Menschen, welche von Tag zu Tag leben. Wenn sie heute nicht arbeiten, haben sie vermutlich am Abend nichts zu essen. Wir kaufen bei den Strassenverkäufer immer Essen resp. Snacks oder Wasser für auf den Weg. Mein persönlicher Favorit sind Plantain Chips (Kochbananen Chips) und Tigernuts (Der Geschmack dieser Nüsse kann man mit Kokosnüssen vergleichen, aber haben vom Aussehen her überhaupt keine Ähnlichkeit) Plantain Chips gibt es übrigens in der Schweiz auch bei www.swisschips.ch und sie sind super lecker. 

Die Strassenverkäuferinnen vor dem Toll, wo man Strassengebühren bezahlt.
„That call can wait, arrive safely“ gilt auch für dich. Der Anruf beim Autofahren kann warten, komme sicher an!!

Beim Kauf dieser Sachen bin ich immer etwas nervös. Warum? Wenn der Stau sich löst und die Autos langsam weiterfahren, müssen die Verkäufer mit sämtlicher Ware hinterher rennen, damit sie ihr Rückgeld noch erhalten. Es kommt auch immer wieder vor, dass sie nicht entlöhnt werden, da sie das Essen bereits der Person im Auto gegeben haben und die Autofahrer dann einfach weiterfahren. In meinen Augen ein wirklich harter Job und ich habe sehr viel Achtung von diesen Menschen. 

Einmal sahen wir einen Mann, welcher gerade jemandem etwas verkaufen wollte. Da der Stau sich genau in diesem Moment auflöste, sprang der Verkäufer bestimmt mindestens 500m hinterher, damit er es ihm verkaufen konnte. Je nachdem was sie verkaufen, nehmen sie pro Ware ungefähr 1 Ghana Cedi (umgerechnet 15 Rappen) ein. Solche Momente prägen uns immer wieder sehr. Und wenn wir die News in der Schweiz zum Teil mitverfolgen, merke ich, wie unterschiedlich unsere Probleme doch sind. Nicht dass ich sage, dass unsere Probleme im Vergleich keine Probleme sind – denn ich bin der Meinung, dass man Probleme immer relativ betrachten soll.

Mit grosser Bewunderung beobachte ich die Menschen um mich herum und hinterfrage mein eigenes Leben dabei oft. Es ist so bewundernswert, was für Arbeiten die Menschen hier leisten. Wie stark die Frauen und Männer hier sind. 

Hier nimmt José gerade unsere alte WC-Anlage mit einem einigen Hammer auseinander. Ich habe es auch einmal versucht und ungefähr 6-10x draufgehauen. Am nächsten Tag hatte ich am ganzen Unterarm Schmerzen. Er hat mich hierfür ausgelacht.

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