Wie im letzten Artikel erwähnt, fühlt sich die jetzige Zeit für mich, resp. uns alle nicht leicht an. Es lastet Einiges auf uns und die Emotionen sind oftmals hoch. Ich muss zugeben, es gab bereits einige Momente, wo ich darüber nachgedacht habe unsere Flugtickets, für nach der Beerdigung umzubuchen oder wo ich als Frust im Internet nach Wohnungen in der Schweiz gesucht habe. Man könnte denken, dass der Stress dann ja vorbei ist und der Alltag wieder zurückkehrt. Mit meinem jetzigen und dem Wissen der letzten Tage, kann ich es mir noch nicht so ganz vorstellen. Aus dem Grund, weil gewisse Sachen, welche von mir als verheiratete Frau mit einem Ghanaer, nun plötzlich wieder gefordert werden. Einstellungen, welche ich nicht mit mir vereinbaren will/kann und ich als Person leider nicht vollkommen akzeptiert werde. Eigentlich habe ich gedacht, dass ich dieses Thema bereits in der Schweiz ausdiskutiert habe und den involvierten Personen klar war, dass ich in diesem Punkt nicht nachgeben möchte.
Anstatt jetzt nach Tagen immer noch genervt zu sein, bin ich nun im Prozess, das Ganze zu akzeptieren und dabei das Gleichgewicht zu finden. Einen Weg, welcher nicht im Streit endet – ein Weg wo ich mir trotz allem treu bleiben darf. Da man gewisse Sachen im Leben nicht steuern kann, bleibt einem ja sowieso nichts anderes übrig, als es so hinzunehmen und trotzdem jeden Tag sein Glück zu suchen. Und genau das versuche ich nun jeden Tag, jeden Tag mein Glück, auch wenn es nur so klein erscheint zu finden und es dann abzufeiern.
Diese Woche sind wir nun in unserem Airbnb, Ende dieser Woche geben wir das Haus bereits ein bisschen früher ab, als bis dann wo wir es gebucht haben. Denn dieses Wochenende, resp. von Freitag bis Sonntag wird Isaac, seine Schwester und ihr Mann nicht im Familienhaus sein, sondern im Dorf in Obenumasi, dort wo Isaacs Mutter geboren wurde und auch bis zuletzt gewohnt und gearbeitet hat.
In der ghanaischen Kultur gehört sich, dass die Kinder des Verstorbenen ins Dorf gehen und die Leute dort darüber informieren, dass – in unserem Fall Alice – nicht mehr lebt und laden dabei auch gleich die Menschen dort zum Wochentag (darüber werde ich in einem anderen Artikel genauer darüber schreiben) ein.
Was das für mich bedeutet? Da ich es nicht unbedingt sinnvoll finde mit unseren Kinder schon wieder pro Weg 4 Stunden zu fahren, um dann drei Tage dort zu bleiben, habe ich mich entschieden nicht mitzufahren. Eigentlich wollte ich dieses Wochenende nutzen, um mit meinen Kindern alleine eine Auszeit im Hotel am Strand zu nehmen. Ja, ich wollte mich weigern, wieder auf alle Kinder zu schauen. Aber so wie ich bin, hat mein Helferinstinkt wieder eingeschlagen und ich habe meiner Schwägerin dann doch noch vorgeschlagen, dass ich auf die Kinder schaue. Ja, drei Tage mit vier Kindern und einem Teenie.
Mittlerweile haben wir jedoch eine Haushaltshilfe eingestellt. Sie heisst Ya (ihr Hausname). Hier haben die Menschen meistens ein Hausname, nach welchem sie anstelle ihrem richtigen Name gerufen werden. Yaa ist 15 Jahre alt, sie spricht kein Englisch, sondern nur Twi. Unter der Woche wenn die Jungs in der Schule sind, haben wir uns jeweils mit Händen und Füssen unterhalten. Mittlerweile spricht sie jedoch in aller Selbstverständlichkeit Twi mit mir und mein Gesicht formt sich dann jeweils zu einem Fragezeichen. Am Abend wenn die Jungs von der Schule kommen, übersetzt mir Dave, was sie mich gerade gefragt hat oder übersetzt ihr, was ich gefragt habe. Ich stelle oftmals nur Fragen, denn im Aufgaben verteilen, bin ich noch nicht so gut. Mir fällt es generell schwer, Aufgaben zu delegieren, ich mache es dann meistens lieber selbst. Nicht weil ich Lust dazu habe, sondern weil ich dem Gegenüber eine Hilfe sein möchte. Ja ich weiss, ich habe wohl das Prinzip von einem Hausmädchen noch nicht ganz verstanden.
Nun sitze ich hier in unserem gemütlichen Airbnb und bin gerade am Wäsche waschen. Seit Tagen fühle ich mich das erste Mal trotz Waschtag, ausgeglichen. Die Idee zum Blog ist mir übrigens währenddessen gekommen und deshalb schreibe ich zwischen den Waschgängen in diesem Blog. Als wir unser Airbnb bezogen und unser Host uns die Waschmaschine zeigte, musste ich schmunzeln. Nachdem er weg war fragte ich Joana: „Hast du die Waschmaschine gesehen?“ Sie lachte laut los und sagte: „Ja, jetzt hast du sie wieder.“ Ja, liebe Leute, ich habe in diesem Airbnb tatsächlich wieder dieselbe Maschine wie damals bei Joana. Als wir hier hinzogen, hatten wir die neue Maschine vielleicht ca. eine Woche. Da meinte ich zu ihr: „Ich werde bestimmt nicht hier waschen, ich nehme dann die Wäsche jeweils zu dir und wasche nur im Notfall hier.“ Wer meine Artikel liest, hat bestimmt von der alten Waschmaschine meiner Schwägerin gelesen (falls nicht findest du den Artikel hier) und wie mühsam ich diese fand. Ihre alte Maschine war bestimmt bereits 10-jährig. Sie hat sie übrigens noch nicht aufgegeben, da diese super ist, wenn man mal kein fliessendes Wasser hat. Denn das würde soviel bedeuten, dass man sonst die Wäsche bei Wasserausfall von Hand waschen müsste.
Und tatsächlich, wir haben das Haus für einen Monat gemietet und ich habe bis heute kein einziges Mal in dieser Maschine gewaschen. Dazu muss ich fairerweise sagen, dass wir auch kaum Zeit hier verbracht haben, weil wir grösstenteils dann doch wieder im Familienhaus waren. (Falls du nicht weisst warum, kannst du hier gerne nachlesen). Und wenn du dir die Frage stellst, warum ich nun trotzdem hier wasche? Wir haben im Familienhaus seit ca. 4 Tagen kein fliessendes Wasser mehr und so muss Ya jeweils Kessel um Kessel auf ihrem Kopf bis in den oberen Stock von unserem Haus tragen. Deshalb habe ich mich entschlossen, unsere Wäsche dieses Mal hierhin zu schleppen. Und obwohl ich anfangs diese Art von Maschine als super anstrengend empfand, bin ich nun total froh darüber. Ansonsten hätte ich wohl unsere Wäsche von Hand waschen müssen. Schon lustig, wie sich das Leben manchmal spielt. Heute nervt man sich über etwas und später merkt man, dass man darüber eigentlich dankbar sein kann.
Und mit diesem Wort schliesse ich diesen Blog. Was bedeutet für dich Dankbarkeit?