Gerade sitze ich an einem Pool in einem Hotel, wo ich mir zusammen mit den Kids seit gestern eine Auszeit nehme. Man könnte denken, mit den Kids nimmt man sich doch keine richtige Auszeit. Jedoch fühle ich mich so erholt wie schon lange nicht mehr. Seit mehreren Monaten bin ich ständig angespannt und fühlte mich hier in der Zeit in Ghana echt überfordert. Eine Auszeit irgendwo in der Natur (zumindest fühlt es sich in diesem Hotel so an), hatte ich dringend nötig. Nun sitze ich da, Skyah am schlafen und Silas ruhig neben mir (er beobachtet die Kids im Pool) und ich bin einfach nur zufrieden. Und so wünsche ich mir, noch viele solche Erlebnisse hier in Ghana.

Hier hat es viele unterschiedliche Gäste, von Franzosen, Britten, Holländer, Ghanaer und sogar Schweizer aus Zürich. Die meisten dieser Gäste arbeiten in Accra und gönnen sich übers Wochenende eine Auszeit von der Stadt. Das Hotel hier wird von Italiener bereits seit über 20 Jahren betrieben. Was für eine Vielfalt von Menschen. Ich liebe es am Tisch zu sitzen und den Gesprächen der Menschen um mich herum zu zuhören. Etwas was ich bereits in der Schweiz immer sehr spannend fand. Die Geschichten von Menschen um mich herum. So merke ich, dass mir genau das bei meiner Familie hier in Ghana oftmals fehlt. Denn dort finden die Alltags-Gespräche immer in Twi statt und leider verstehe ich ausser ein paar Alltagsdinge nichts.
Heute morgen hatte ich ein Gespräch mit einer Britin, welche sechs Jahre lang in Ghana in verschiedenen Regionen gearbeitet hat. Als ich ihr erzählte, dass ich die drei Monate hier so gut wie nur Zuhause verbracht hatte und fast wahnsinnig wurde, da ich mir mehr schöne und spannende Erlebnisse wünschte, erzählte sie mir von ihrer Zeit im Norden. Auch sie empfand es am Anfang als sehr schwierig. Sie hatte noch diese europäische Einstellung, dass sie in möglichst kurzer Zeit soviel wie möglich erledigen oder erleben müsse. Erst nach drei Jahre fühlte sie sich mit dem Rhythmus vom Ghana Leben wohl. Sie merkte, dass das Leben hier gemütlich gelebt wird. Vom Kleider waschen mit den Händen und dann mit dem Fahrrad einige Kilometer zum Markt zu fahren, um die nötigen Lebensmittel zu besorgen. „Wie wahr“, dachte ich mir, aber trotzdem fühle ich mich von diesem Rhythmus oft noch so fern.
Obwohl ich mir hier in dieser Umgebung einen solchen Rhythmus schon viel besser vorstellen könnte 😉 am morgen aufstehen, frühstücken und mich dann mit den Kids einfach an den Pool setzen und geniessen. Damit hätte ich überhaupt kein Problem, dies noch bis am Ende meiner Zeit hier zu tun. Ein Leben in einem Hotel stelle ich mir als sehr spannend vor. Nun bin ich gerade einmal knapp zwei Tage hier und habe mich bereits mit drei verschiedenen Leuten unterhalten und ich liebe es. Ich liebe es mich zu sozialisieren und unterschiedliche Geschichten von Menschen kennen zu lernen. Denn wenn ich eine Superkraft haben könnte, würde ich am liebsten die Geschichten von den Menschen um mich herum lesen können.







Und wenn wir es schon von Geschichten haben, erzähl ich dir doch gleich einmal eine Geschichte von mir;
Letztens als ich noch im Familienhaus war und bis nach Mitternacht Videos auf YouTube schaute, hörte ich etwas vor unserem Schlafzimmerfenster. Nicht eins zwei Mal, sondern mehrere Male. Schnell sprang ich aus dem Bett, denn Isaac hat sein ganzes Computerzubehör nach unten gezügelt. Nicht dass jemand einbricht. In diesem Augenblick, als ich aus dem Fenster schaute, sah ich, wie ein Mann ein brennendes Strichholz in Richtung unseres Haus warf. „Oh mein Gott“ dachte ich mir, „will da gerade jemand unser Haus anzünden?“ Schnell sprang ich aus dem Zimmer und suchte Isaac im Wohnzimmer. Vergeblich, dieser war im unteren Stock am arbeiten. (Isaac hat noch einiges an Arbeit aufzuarbeiten, da er in der letzten Zeit oft von der Arbeit ferngehalten wurde). So nahm ich mein Natel und ruf ihn an. „Isaac, schnell komm hoch, jemand hat gerade ein brennendes Strichholz über die Mauer geworfen.“ Als er die Treppe hoch kam und wir nochmals aus dem Fenster schauten, war der Mann aber schon weg. Er wurde wohl von der Türe die ins Schloss fiel vertrieben. In dieser Nacht habe ich total schlecht geschlafen und sah am nächsten morgen auch so aus. Unsere Nachbarin Brago fragte mich: „Rahel? Are you ok?“ „Yes, I am just tired“ und erzählte ihr dann die gesamte Geschichte. Da lachte sie und meinte: „Don’t worry Rahel, that’s normal.“ Normal? Was ist denn daran normal?
Als ich dann später hinters Haus ging, um zu schauen wie viele Strichhölzer denn wirklich dort sind, fanden wir nur zwei. Da erzählte mir Isaac, dass er genau in diesem Augenblick wohl das Fenster zu machte und das wohl die Geräusche zuvor waren. Der Spot beim Nachbarhaus sei laut meiner Schwägerin ein beliebter „Kiffer-Spot“, da das Haus gegenüber noch im Rohbau ist und nur eine ältere Frau dort wohnt. Dazu kommt, dass es dort in der Ecke oftmals dunkel ist und die Männer so in Ruhe ihren Joint rauchen können. Was für ein Zufall, der Mann brauchte wohl zwei Versuche, um seine Zigarette oder Joint anzuzünden und genau in einer dieser Momente blickte ich aus dem Fenster und sah wie er das Hölzchen über die Mauer warf. Da seit 1-2 Jahren ein Streit mit einem Cousin von Isaac entfachte und dieser diese Ferien ein paar Schlüssel von unserem Haus mitgehen liess, dachte ich wohl, dass er jemanden geschickt hat um uns zu schaden.
Nun ist Skyah erwacht und ich sollte mich wohl wieder um die Kids kümmern, denn auch mein Magen knurrt und ich habe Lust auf ein paar frische Früchte. Was ich zum Schluss noch sagen möchte; Nehmt euch eine Auszeit, wenn ihr merkt, dass ihr es nötig habt. Wartet nicht zu lange, denn unser Körper haben wir nur einmal. Wenn wir unserem Körper einmal mehr schaden, als er ertragen kann, könnten wir das irgend einmal bereuen. Es ist keine Schwäche mitzuteilen, dass es einem zu viel ist. Viel mehr empfinde ich es als eine Stärke. Denn in unserer Gesellschaft, möchte man oftmals stark wirken, weil man das Gefühl hat, dass „Schwäche“ zeigen nicht gut ankommt. Hier durfte ich lernen, dass es nicht so ist. Es tut gut über Gefühle zu schreiben oder zu sprechen. Dazu wissen die um einem herum, was gerade bei einem abgeht und können mehr Verständnis zeigen, einem Ratschläge geben oder einem vielleicht sogar dabei helfen aus der Situation rauszukommen.
Teile dich mit, auch wenn es nur mit einer Person ist. Es wird dir gut tun.