Gefühle, Gefühle

„Ich bin für mein eigenes Glück verantwortlich“

Im Moment befinde ich mich immer noch im Hotel Kokrobite Garden und bin mir gerade am überlegen, ob ich doch noch eins bis zwei Nächte anhängen soll. Denn ich glaube ich habe mich verliebt. Es ist einfach so mit mir geschehen, endlich bin ich angekommen. Mein Kopf fühlt sich so frei und ich kann wieder mich selbst sein. Ja, ich wollte etwas Spannung reinbringen, denn ich habe mich nicht in einen Mann verliebt und nein auch nicht in eine Frau, sondern in diesen Ort hier. Wir sind nun endlich in das Zimmer direkt beim Pool eingezogen und ich fühle mich grossartig. Gerade eben habe ich Skyah zum Schlafen gelegt und sitze nun mit Silas auf der Terrasse und lasse meine Gedanken schweifen. Und in diesen Augenblicken wo ich mich frei fühle habe ich Erkenntnisse, welche mich schon seit längerer Zeit immer wieder begleiten, jedoch erst jetzt so richtig ankommen konnten, respektive mehr Form angenommen haben. Das Leben ist so spannend und manchmal einfach nur ein Brainfuck (sorry für das Wort, aber so ist es nun mal) 

Hier folgt nun ein weniger Ghana bezogenes Thema, sondern mehr ein Artikel über das Leben und was ich realisiert habe. Ein sehr persönliches Thema, aber ich fühle mich bereit es endlich zu teilen. 

Mein gesamtes Leben begegne ich immer wieder Situationen, wo ich mich eigentlich nicht befinden möchte und trotzdem spreche ich das Problem nicht an. Aus Angst vor Konfrontationen, aus Unsicherheit mit mir selbst oder oftmals auch einfach, da ich einfach ein Mensch mit sehr viel Empathie bin. Oftmals denke ich mir; „Ach es ist ja nicht so schlimm, wenn du das jetzt machst, dann geht es den anderen besser.“ “Du musst es ja nicht unnötig kompliziert machen.“ Oder „Ist es jetzt wirklich so schlimm oder übertreibe ich wieder einmal. Lass es lieber sein und bring es einfach schnell hinter dich.“ Und ja, viele Male habe ich mich wohl auch für Sachen entschieden, da ich wollte dass man mich mag oder nichts schlechtes von mir denkt. Mir ist bewusst, dass es unmöglich ist, dass einem jeder mag. Und eigentlich ist es auch so egal, ob man jetzt gemocht wird oder nicht. (Einfacher gesagt als getan)

So begegnete ich immer wieder diesen Situationen, wo ich mich nervte, unwohl fühlte oder eigentlich keine Lust darauf hatte. Sei es im Job, bei Bekannten oder auch bei der Familie. Vielen dieser Situationen konnte ich irgendwann, irgendwie aus dem Weg gehen und somit das eigentliche Problem umgehen. Nun befinde ich mich seit Monaten in solchen Situationen und mir geht langsam aber sicher die Luft aus. Meine Emotionen spielen verrückt, ich bin schnell gereizt und oftmals war ich einfach nur traurig und enttäuscht. Enttäuscht von meiner Schwägerin, von meinem Mann, aber wenn ich genau hinschaue wohl noch viel mehr enttäuscht von mir selber. Von den Menschen wo ich mich vollkommen anvertraut habe, höre ich immer wieder: „Du musst aus dieser Situation raus! Komm wieder zurück wenn es dir zu viel ist. Ändere etwas, damit es dir besser geht. Du musst nun aufhören zu motzen und etwas an deiner Situation ändern.“ Und genau das wollte ich auch, aber mir fehlte die Kraft und mein Kopf wollte einfach nur noch flüchten. Zurück in die Schweiz. Wenn es doch nur so einfach wäre. In diesem Fall wohl zu meinem Glück, sonst wäre ich wieder von dem eigentlichen Problem geflüchtet. 

Irgendwann war ich kurz vor dem explodieren und ich hatte endlich die Kraft mich nochmals vollkommen klar auszudrücken. Endlich Abstand zu nehmen und das zu machen, wonach mein Körper, Geist und Herz schreite. Eine Auszeit von diesem Leben hier. So habe ich mit dem Bewusstsein, dass es Diskussionen geben könnte, diese Auszeit hier im Kokorobite Garden gebucht und es war die beste Entscheidung überhaupt. 

Nun bin ich seit drei Tagen hier mit den Kindern und mein Kopf ist wieder freier. Freier um die Dinge klarer zu sehen. Und ja, genau in diesem Moment ist mir bewusst, dass ich jetzt endlich für mich und meine Gefühle aufstehen muss. Niemand ist für mein Glück verantwortlich. Weder mein Mann noch sonst irgendjemand. Das ist etwas was Isaac sehr gut gelingt, das zu machen was ihm gefällt und was ihn glücklich macht. Genau aus dem Grund setzt er sich wohl auch nicht mehr dafür ein, dass wir irgendwo sonst leben. Denn ihm gefällt das Familienleben im Familienhaus. Die handwerklichen Dinge die er dort tun kann. Die Gespräche in seiner Muttersprache. Es fühlt sich für ihn wie Heimat an. Etwas das ihm bisher immer fehlte.

So könnte man sagen: „Wie egoistisch, dass er mit dem Wissen, dass es dir nicht gut geht, trotzdem dort bleiben möchte.“ Ja auch ich dachte das immer wieder. Aber wenn man sich distanziert und genau hinschaut, sollte auch ich seine Wünsche akzeptieren. Warum sollte ich ihn aus einem Umfeld rausnehmen, wo er sich ja eigentlich glücklich fühlt? Das Wichtige am Ganzen ist ja einfach, dass ich mich selbst dabei nicht vergesse respektive nicht verliere. Auch wenn man sich in einer Partnerschaft befindet, ist man immer noch selbst für sein eigenes Glück verantwortlich und manchmal kann das auch bedeuten, dass man nicht den genau gleiche Weg zusammen geht, sondern sein Glück in einem anderen Teil der Insel lebt und sich später wieder trifft, um sich davon zu erzählen. 

Seit mehreren Jahren ist mir bewusst, dass ich mich mehr für mich und meine Gefühle einsetzen sollte und trotzdem habe ich mich immer wieder bewusst dagegen entschieden. Oftmals fiel es mir einfacher mich für die Gefühle anderer einzusetzen, als für mich und meine Gefühle zu sorgen. Empathie ist gut, aber die Liebe gegenüber einem selbst noch viel wichtiger. Und wie bereits in einem anderen Artikel erwähnt, ist die richtige Balance wichtig. Wie weit möchte ich gehen, um die anderen zu unterstützen und ab wann ist es wichtig, dass ich mich selber schütze? 

PS: Juhu, ich konnte nochmals eine weitere Nacht hier im Hotel buchen, leider sind nachher alle Zimmer ausgebucht. Jedoch habe ich Mitte Dezember, nach der Beerdigung bereits wieder ein Zimmer für 4 Tage gebucht und Isaac wird dieses Mal mitkommen. Denn auch ihm gefällt es hier sehr. 

PS2: Seit mir bewusst wurde, dass ich mehr das tun sollte, auf was ich Lust habe, hatte ich bereits drei Erfolgserlebnisse, wo ich mich für mich und meine Bedürfnisse eingesetzt habe. Das lustige am Ganzen; Die erwarteten Konfrontationen sind gar nicht gekommen und meine Meinung wurde einfach so angenommen. 

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