Nichts läuft nach Plan

Immer umgeben von Menschen – vor allem Kinder – aber doch fühle ich mich manchmal einsam. In der Schweiz habe ich mich daran gewohnt, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin, begegne oder treffe ich mich mit anderen Müttern und ich liebte es. Ich liebte es – mich mit diesen Frauen zu treffen, mit welchen ich alle möglichen Gespräche führen kann, währenddem unsere Kinder zusammen spielen. Ich war immer sehr viel draussen unterwegs – zu Fuss – einfach los zu spazieren und auf irgendeinem der vielen Spielplätze die Kids austoben zu lassen.

Hier bin ich viel Zuhause, da man in dieser Umgebung praktisch mit dem Auto unterwegs sein muss. Die Taxis und Ubers fahren überhaupt nicht gerne zu unserem Haus – wegen den schlechten Strassen. Wie in einem früheren Artikel erwähnt, ist Isaac sehr viel ausserhalb vom Haus unterwegs und da die Kinder hier viel mehr Spass haben, bleibe ich mit ihnen Zuhause. Manchmal ist das echt deprimierend – keine erwachsenen Gespräche zu führen. Oft lasse ich sie einfach miteinander spielen ohne dass ich irgendetwas plane. Es ist wirklich cool zu beobachten, wie sie sich den ganze Tag zusammen beschäftigen können. Bis jetzt habe ich die gesamte Zeit hier noch nie: „Mami, was kann ich jetzt machen? Mir ist langweilig?“, gehört. Und das obwohl sie so gut wie nie mit produzierten Spielzeugen spielen, sondern immer irgend ein Spiel in einem Gegenstand der irgendwo herumliegt entdecken. 

Als die Kinder im Regen tanzten.
Strahlende Kinder, einfach wunderschön!

So ist es manchmal ein bisschen wie ein Fluch und Segen gleichzeitig. Zum Einen liebe ich es, wie sich unsere Kinder hier entfalten können. Wie sie Neues und eine ganz andere Spielweise entdecken. Wie sie laut sein dürfen und sich niemand daran stört. Wie sie lernen mit dem was um sie ist zu spielen und wir es ihnen auch nicht verbieten. Aber anderseits, vermisse ich den Kontakt mit Erwachsenen Menschen. Und wenn ich raus gehe, treffe ich niemanden (ausser Hühner, Ziegen und Hunde) an, sondern alle um mich herum sind mit ihrer Arbeit beschäftigt. Denn bei diesen Menschen um mich herum, zählt oftmals jeder Tag. Wer heute nicht arbeitet, hat am Abend allenfalls nichts zum essen. Da finde ich meinen Frust vermehrt ziemlich unsympathisch und doch ist es das was ich in diesen Momenten gerade fühle und meiner Meinung nach, soll jeder Mensch seinen Gefühle freien Lauf lassen dürfen. 

Zurück zu unserem Plan, den wir in der Schweiz hatten; Wir hatten das Ziel, den erste Monat bei Isaac und seiner Schwester im Haus zu verbringen und gleichzeitig nach etwas für uns als Familie zu suchen. Wie bereits einmal erwähnt, merkten wir dass unser Budget, welches wir festgelegt haben, nicht ganz aufgeht. Da vor allem Isaac sehr auf sein Budget besteht, war es wirklich schwierig etwas zu finden. Und irgendwann änderten sich dazu auch noch Isaac’s Pläne. Er findet richtig Gefallen am Haus basteln. All die kleinen und grossen Dinge die erledigt werden müssen – das handeln mit den Handwerkern oder auch mal selbst Hand anzulegen begeistert ihn. Darum hat er entschieden, dass er doch länger hier bleiben möchte. 

Sieht ihr die Freude in Isaacs Gesicht. Hier war er gerade dabei die Mückennetze zu waschen. Abends hat es immer Mücken, der gelbe Spray ist um diese im Innenraum fernzuhalten. Er hat diesen draussen verwendet und seine Schwester meinte, dass dies Vergeudung sei.

Ehrlich gesagt, war ich am Anfang von dieser Idee überhaupt nicht begeistert, da ich gerne meine Privatsphäre und Ruhe geniesse. Ein Haushalt mit neun Personen ist extrem laut und ja, auch unordentlich. Dazu kam wohl auch, dass ich Zuhause mit den Kindern bin und somit nicht nur zwei sondern meistens gleich vier Kinder und ein Teenager Zuhause habe. Und eigentlich möchte ich doch gerne einfach Mal etwas für mich machen. Mittlerweile konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, doch noch etwas länger in diesem Haus zu bleiben. Zwar nicht alles zur gleichen Zeit, sondern immer wieder für eine gewisse Periode. 

Eigentlich wären wir jetzt in einem Haus, welches wir über Airbnb gefunden haben. Die Beschreibung und die dazugehörigen Kommentare stimmen zwar nicht so ganz zum eigentlichen Haus überein, aber ich muss sagen es gefällt mir trotzdem. Meine Küche mit meinen Zutaten sowie meine Ordnung und wieder etwas mehr Struktur. Da könnte man sagen, das ist wohl die Schweizerin in mir, diese Struktur wurde mir früh beigebracht und obwohl ich vergleichsweise wohl nicht der strukturierteste Mensch bin, mag ich es trotzdem gerne. 

Als wir das Airbnb bezogen haben, gingen wir jedoch bereits am nächsten Tag wieder zu Isaac’s Schwester zurück, da diese gerade bezüglich Landkauf in der Nähe war. (Ja, wir haben Land gekauft, dazu komme ich bestimmt in einem nächsten Artikel wieder darauf zurück.)
Isaac hätte am Sonntag einen Termin gehabt – er ist gerade mit einem Bekannten im Gespräch über ein Business, welches sie zusammen auf die Beine stellen möchten. Jedoch auch hier kam es zu einer unvorhersehbarer Wende. 

Am nächsten morgen, als wir zurück im Haus waren, fühlte ich mich extrem müde, so legte ich mich hin und überliess die Kinder Isaac. Jedesmal als ich aufgewachte, fühlte ich mich müder als zuvor. Irgendwann habe ich meine Müdigkeit überwindet und stand einfach auf und ging zu den anderen hinunter. Da kam Isaac auf mich zu und meinte: „Wir haben schlechte Neuigkeiten. Ich kann morgen nicht zum Meeting gehen.“ Hierbei handelt es sich um eine familiäre Angelegenheit und deshalb haben wir uns entschieden, den Grund warum es mit dem Meeting nicht geklappt hat, lieber nicht Online zu stellen.

Was uns gestern jedoch stark bewusst wurde, momentan läuft praktisch nichts nach unserem Plan und es kommt immer irgendetwas unvorhersehbares dazwischen. Wie zum Beispiel beim Familien-Haus; wir sind gerade daran das Haus auf Vordermann zu bringen und jedesmal wenn wir etwas reparieren oder reparieren lassen, geht etwas nächstes kaputt. Das hat jedoch eher damit zu tun, dass der Grundbau von diesem Haus von selbsternannten „Experten“ gebaut wurde. Was ich nicht abschätzend sage, viel mehr bewundere ich diese Leute, wie sie ohne ihr Handwerk vorher erlernt zu haben, trotzdem ein ganzes Haus mit eigenen Hände und dazu noch ohne solche Maschinen wie wir es in der Schweiz kennen gebaut haben.

Auf der rechten Seite sieht man eine Art „Kran“, womit sie die schweren Materialien hochziehen
Um den obere Boden zu betonieren, stützen sie diesen mit einer Holzplatte und diversen Bambusstangen (oftmals sind es viel mehr als auf diesem Bild ersichtlich). All dies machen sie ohne ein spezielles Gerüst.

Mir war bereits in der Schweiz klar, dass es bestimmt öfters Situationen geben wird, wo es mir schwer fallen wird. Vor allem aufgrund gewissen Grundwerten, welche in mir festgebissen sind. Denn das Leben hier ist offensichtlich anders, als das in der Schweiz. Und uns Menschen fällt es oftmals schwer, uns an andere Lebensverhältnisse anzupassen. Mitten im ganzen Trubel gab es viele Situationen, wo ich mich überfordert fühlte und am liebsten meine Koffern packen wollte. Doch mit guten Gesprächen mit meiner Mutter oder einer sehr guten Freundin, fand ich immer wieder zu mir selbst und konnte wieder neu Kraft sammeln und jeden Tag so nehmen, wie er gerade ist. Und ich wünsche mir, dass ich meine Zeit hier genau so weiterführen kann. Wenn ich mich überfordert fühle mit jemanden darüber zu sprechen und dann das Beste aus der Situation zu machen. Denn manchmal ist das überhaupt das Einzige, was man in der Situation für ein besseres Gefühl überhaupt tun kann. Denn ich versuche aus jeder Situation mich immer wieder bewusst dafür zu entscheiden zuerst das negative Gefühl zu zulassen und dann aber nach einer Lösung zu suchen, um mich anschliessend wieder gut zu fühlen. Und ich erinnere mich daran, dass ich mich auf solche Erfahrungen gefreut habe. Wo ich als Person herausgefordert werde und lerne im Moment zu leben, anstatt bereits Meilenweit in die Zukunft zu denken. Denn genau das sind Erlebnisse, bei welchen ich viel über mich selbst lernen und als Person wieder wachsen kann.

Spontaner Zusammenschnitt, ich hoffe es gefällt euch.

5 Kommentare zu „Nichts läuft nach Plan

  1. Liebe Rahel, liebe Familie
    Wir sind immer wieder fasziniert und begeistert von euren Erfahrungen und Erlebnissen in Ghana zu erfahren.
    Es ist offensichtlich eine ganz andere Welt als bei uns. Ich finde es super wie du Rahel das alles anpackst. Hut ab!
    Die Fotos mit den Kindern die im Regen stehen und sich freuen haben mich sehr berührt.
    Wir hoffen und wünschen, dass für euch doch noch ein paar Pläne in Erfüllung gehen werden.
    Bleibt gesund und wir freuen uns auf deinen nächsten Bericht.
    Herzlich Marlis & Eligius

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    1. Liebe Marlis, lieber Eligius
      Danke vielmal für diesen Kommentar, ich habe mich sehr darüber erfreut. Es ist tatsächlich total anders hier und ich glaube vorallem ich brauche einfach noch ein bisschen mehr Zeit, um mich neu zu orientieren. Isaac und den Kindern gelingt die viel besser. Wir sind zuversichtlich, dass wir trotzdem noch ein paar Dinge nach Plan erleben dürfen und versuchen uns momentan vorallem einfach mal vom Leben gleiten zu lassen.
      Liebste Grüsse
      Rahel & Familie

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  2. Liebe Rahel
    Per Zufall ( Status ) bin ich auf deinen Reisebericht gestossen. Ja, das Leben ist nicht nur einfach, aber du machst das Grossartig! Was du in Ghana erleben und erfahren darfst wird dich sicher weiterbringen. Schön erleben deine Kinder das Spielen ohne materielle Spielsachen und du kannst beobachten wie sie glücklich und zufrieden sind!
    Ich wünsche dir und deiner Familie viele lustige und unvergessliche Erlebnisse und grüsse dich herzlich
    Irene

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  3. Liebe Irene
    Danke vielmal für deinen Kommentar, es freut mich dass du dir die Zeit dafür genommen hast meinen Bericht zu lesen.
    In der Tat ist das Leben nicht immer einfach und doch kann man immer wieder soviel von solchen Momenten mitnehmen.
    Ich finde es auch sehr schön, dass unsere Kinder diese Erfahrung ohne materielle Spielzeuge machen dürfen. Und es war auch für mich sehr spannend zu beobachten, als wir ihnen Spielzeuge gaben, die Streitigkeiten viel mehr zunahmen. Erst da wurde mir bewusst, dass ständig die Diskussion aufkam, wer welches Spielzeug zuerst hatte und dass vorher solche Diskussionen so gut wie nie aufkamen.
    Auch dir eine schöne Zeit.
    Ganz liebi Grüess
    Rahel

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