Stromausfall

Im Moment leben wir 44 Kilometer von Isaac’s Schwester entfernt und man mag es kaum glauben, aber für diese Strecke brauchen wir oftmals mindestens 1.5 Stunden. Laut Google Maps kann es manchmal bis zu einer Stunde dauern, dies haben wir jedoch bis jetzt noch nie geschafft, obwohl wir zu unterschiedlichen Zeiten los gingen. Der Grund für diese lange Reise sind dieses Mal nicht die Strassen. Okay, eventuell haben sie auch einen Einfluss, da die Nebenstrassen oftmals so schlecht sind, dass der gesamte Verkehr über die Hauptstrasse/Autobahn geleitet wird und so leider immer sehr viel Stau entsteht. Dazu kommen die vielen Trotro’s (Taxis  resp. Minibusse mit mehreren Fahrgästen), welche beliebig anhalten oder Auto’s / Lastwagen welche mitten auf der Strasse eine Panne haben und so den Weg blockieren. Man fährt manchmal 500m und dann steht man bereits wieder in der nächsten Kolonne. Wir sind momentan mit Uber unterwegs und die Meisten haben keine Klimaanlage. So sitzt man oft schwitzend im Sitz, da beim Stehen kein Wind weht. 

Im Moment fahren wir diese Strecke sehr oft, da sich der Gesundheitszustand von Isaac’s Mutter leider doch noch nicht verbessert hat und sie zurzeit Zuhause gepflegt wird. Wir haben das Glück, dass Isaac weiterhin 60% in seinem Job bei seinem Schweizer Arbeitgeber arbeiten darf. Sein Arbeitsplatz befindet sich in unserem Airbnb in Adenta Frafra, in der Nähe vom Berg Aburi, so müssen wir mindestens 3 Tage die Woche dort sein. Eigentlich war dieses Airbnb ja auch dafür gedacht, dass ich dort ein bisschen zur Ruhe komme und mobiler bin. Die restlichen Tage verbringen wir seit anfangs Monat immer wieder zurück in Broadcasting bei Isaac’s Schwester, um bei der Pflege seiner Mutter zu helfen. 

Momentan passiert soviel, aber vieles möchte ich nicht ins Detail veröffentlichen. Es ist wirklich keine einfache Zeit und wir sind alle zusammen extrem gefordert. Sei es die Lebenssituation die mir Mühe bereitet, was eigentlich noch das kleinste Problem ist und definitiv überwindbar ist. Oder eben den Gesundheitszustand von Isaac’s Mutter. Manchmal greift das Leben total unerwartete Züge und man muss versuchen irgendwie wieder Positive Energie zu sammeln. Denn schlussendlich ist das meiner Meinung nach immer noch das Wichtigste. Auch wenn man sich die schlechten Gefühle immer wieder bewusst anhört, finde ich es umso wichtiger, irgendwann wieder in eine positiven Zustand zu kommen. Eine gute Freundin sagte mir letztens, dass sie folgendes gelesen hat: „Stell dir vor du sitzt in einem Auto mit all deinen Gefühlen, es ist okay dass diese mitfahren, doch sei dir bewusst, dass du stets das Steuerrad in der Hand hast.“ Ich finde dies eine so tolle Vorstellung und werde dies bestimmt immer wieder anwenden. 

So versuche ich zurzeit gerade die kleinen Momente zu feiern. Wie zum Beispiel letztens als alle im Spital waren und ich mit den Kindern bei Stromausfall alleine Zuhause (Stromausfall ist hier nichts Spezielles, es ist etwas, das immer wieder passiert) 

Gerade wollte ich mit kochen beginnen, ich suchte die Lebensmittel zusammen, welche mir gerade noch zur Verfügung standen. Reife Kochbananen aus Alice’s Farm, diese schälte ich und bereitete sie zum frittieren vor und Avocados welche ich auf dem Weg zum Mall an einem Stand am Strassenrand gekauft habe. Dave brachte noch die Idee, dass wir noch gefrorene Pommes zum frittieren haben. Genau in dem Moment als ich die Fritteuse anstellen wollte, stellte der Strom ab. „Lightoff“, erwiderte ich und mein Hirn schaltete gleich um. Na dann, zum Glück haben wir einen Gasherd, so erhitze ich das Öl einfach über dem Feuer. Da der Zünder vom Herd ohne Strom nicht funktionierte und wir keine Streichhölzer hatten, schickte ich Dave los um welche zu kaufen. Als er zurück kam, war es bereits dunkel (hier wird es bereits um 18.00 Uhr dunkel) und wir standen alle mit den aufladbaren LED Lichter (die sind wirklich toll, die Unterfläche ist magnetisch und man kann sie sogar als Powerbank verwenden) in der Küche und anstelle genervt zu sein, sassen wir da und als ich die Maisdose mit einem Messer anstelle einem Dosenöffner (es war keiner auffindbar) öffnete, feierten wir diesen „Erfolg“ in dem wir unsere „besten“ – wohl eher verrücktesten – Dancemoves hervorholten und lachten dabei von Herzen. Danach erzählten wir einander abwechselnd phantasievolle Geschichten. 

Geschichten wie: „Und dann kam ein Wolf namens „Auntie Rahel“ und sprang durch den Wald und begegnete dort dem Hasen „Silas“ und meistens hatten wir in den Geschichten irgendwelche Superkräfte….. Irgendwann behauptete Dave, dass er im unteren Stock etwas gehört habe. Es sind bestimmt Einbrecher im Haus. Alles ausser der Küche war stockdunkel, denn auch die Strassenlaternen hatten kein Licht. Ein wenig paranoid, aber mir nichts anmerkend sagte ich: „Nein, keine Angst Dave macht nur Witze.“ Ich muss zugeben, ein wenig eingeschüchtert war ich in der Tat. Denn beim letzten Stromausfall um 23.00 Uhr wurden in der Umgebung mehrere Häuser überfallen. Und jetzt bin ich alleine mit Kindern zwischen 1-6 Jahren und einem Teenager, der Räubergeschichten erzählt. Jetzt im Nachhinein muss ich darüber lachen. Als dann irgendwann noch die Hunde anfingen zu bellen, meinte Dave: „Jemand muss hier sein, warum bellen die Hunde?“ Dieses Mal sah ich in seinem Gesicht, dass er es Ernst meint. Es kam soweit, dass wir alle zusammen Angst hatten und die Küchentüre mit dem Schlüssel verriegelten.

Als das Essen fertig war und wir uns hinsetzen wollten, ging dann auch bereits das Licht wieder an und wir konnten das Essen bei hellem Licht ohne ständig über die Schultern zu blicken, geniessen. Schon lustig, wie einem unser Hirn manchmal Streiche spielt. Das bringt mich gleich zurück in meine Kindheit, wie oft ich doch Angst im dunkeln hatte, weil ich mir irgendwelche Sachen einbildete. 

So ist ein weiterer Tag zu Ende. Ein anstrengender Tag, mit vielen schlechten Neuigkeiten endete im Stromausfall und ich entschied mich bewusst, wie es wohl meine Freundin sagen würde, das Steuerrad Richtung Freude zu richten, da ich bereits so oft traurig, genervt und übermüdet mein Tag beendet habe – wollte ich diesmal mit einem anderen Gefühl zu Bett gehen.

Die frittierten Kochbananen mit Pommes und die Avocados waren übrigens super lecker. Wahrscheinlich nicht unbedingt das gesündeste Abendessen, aber lecker war es allemal.  

Hier ein kleines Video vom Abend mit Stromausfall
  • Webseite von Carmen, welche mir diesen Ratschlag bezüglich dem Steuerrad im Auto gegeben hat: https://gentleandmindful.ch/ wirklich sehr empfehlenswert, diese einmal anzuschauen. Sie beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit damit, seine innere Ruhe zu finden

5 Kommentare zu „Stromausfall

      1. Sehr geren. Wir sind eine kleine Gruppe von engagierten Menschen und haben auf Facebook auch verschiedene Gruppen mit den Themen: Menschenrechte, Kinderschutz, Fremdenhass und und und.
        Da würden solche Beiträge super dabei passen.
        Auf Facebook heiße ich Ècrivain Naike. Auch ist die Seite von Evke Freya von Ahlefeldt oder Nila Khalil (Dandelion Zuckermann) zu empfehlen.

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      2. Sorry für die späte Antwort. Danke vielmal für die Tipps, leider habe ich im Moment kein Facebook, aber werde gerne vorbeischauen, falls ich es einmal wieder reaktivieren sollte.

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