Manchmal muss man harte Entscheidungen treffen

Und wieder einmal ist es Zeit Abschied zu nehmen. Abschied von der Besitzerin hier in Kokrobite Garden. Eine so sympathische und interessante Frau, welche ich wohl längere Zeit nicht mehr sehen werde. Es war mein letzter Tag im Hotel und ich musste mich verabschieden, denn sie und ihre Familie wandern nach 20 Jahren Ghana wieder zurück nach Europa aus. Nach Fuerte Ventura, wo sie wieder mehr ihren Träumen nachgehen möchte. Sich ihrer Begeisterung fürs Yoga widmen. Und ich finde das so grossartig. Die Geschichte dieser Familie fasziniert mich. Wie sie ihr Leben nach ihrem Glück richteten. Zumindest soviel wie sie mir erzählt haben, klang es ganz danach, dass sie ein sehr erfülltes Leben lebten. Danke, dass ich bei eurem kleinen Paradies mein Kopf lüften durfte, ich komme wieder. 

Hier eine schnelle Tour durch das Hotel.

Und nun bin ich gerade einmal ein paar wenige Tage zurück im Familienhaus und unser Leben hat wieder einmal eine mehr oder weniger unerwartete Wende genommen. Etwas was ich und Isaac seit 13 Jahren Ehe noch nie so erlebt haben. Wir hatten ein langes und emotionales Gespräch. Isaac und ich führen immer sehr offene Gespräche und versuchen miteinander so ehrlich wie möglich zu sein. Auch wenn das manchmal heisst, dass der Andere dabei verletzt wird. Bis jetzt sind wir immer sehr gut damit gefahren, da wir voneinander immer wussten, was im Anderen gerade vorgeht und es meistens auch nicht all zu persönlich nahmen. Vielleicht im ersten Augenblick schon, aber im zweiten schätzten wir die Ehrlichkeit, da wir so wieder ein gemeinsames Ziel zur Besserung hatten. So legten wir uns mit gemischten Gefühle ins Bett und vorerst dachten wir, dass einiges geklärt ist. 

Am nächsten morgen als ich aufwachte, überlegte ich mir, was ich jetzt mit dem Tag anfangen soll. Und da war diese Leere. Ich hatte keine Idee, ausser dass die Kleider gewaschen, die Kinder versorgt und das Zimmer aufgeräumt werden sollte. Und da überrollten mich sämtliche aufgestauten Emotionen auf einmal. Am liebsten wollte ich mich einfach ins Bett legen und weinen, so mies fühlte ich mich. Doch da waren die Kinder, ich muss mich ja um sie kümmern. Und da hatte ich die Antwort klar vor Augen. Jetzt ist Schluss, ich muss jetzt eine harte Entscheidung treffen und zwar eine Entscheidung für mich und nicht für die Anderen und schlussendlich doch auch eine Entscheidung für uns als Familie. So rief ich Isaac zu mir und teilte ihm mit, dass es das beste ist, wenn ich und die Kinder nach der Beerdigung zurück in die Schweiz reisen. Was soviel bedeutet, dass wir für drei Monate räumlich getrennt sein werden. Nicht nur er und ich, sondern auch er mit seinen Kindern. Und dies machte die Entscheidung noch viel schwieriger.


Aber uns wurde bereits vor einigen Wochen bewusst, dass dies seine Reise ist. Seine Reise und nicht meine und auch nicht die Reise von uns als Paar. Meine Reise ist hier jetzt vorbei und es ist Zeit, dass ich meine eigene woanders antrete und zwar Zuhause in der Nähe von meinen Freunden und Familie. Es fühlt sich scheisse an, aber irgendwie doch gut. Denn egal wie ich mich entscheide, eine absolut optimale Entscheidung gibt es im Moment nicht. Dazu kommt, dass sich Isaac nun ohne Kompromisse vollkommen seiner Herkunft-Erkundung widmen kann. Er kann jetzt soviel unterwegs sein wie er möchte, ohne dass ich irgendwo deprimiert alleine mit den Kindern sitze. Sondern bald in der Schweiz in meiner Heimatstadt Luzern mit meiner Mutter, Schwester und lieben Freunden, wo ich auch einmal die Kinder lassen kann und weiss, dass sie gut und nach meinen Vorstellung von Erziehung versorgt sind. 

Isaac kam mit 12 Jahren in die Schweiz und war seither ziemlich distanziert von seiner Familie. Erst seit dem Jahr 2014 kamen wir immer mal wieder für Ferien nach Ghana. Aber irgendwie konnten wir bis auf seine Schwester und Mutter nicht sehr viel Zeit mit anderen Familienmitglieder verbringen und für das hat er nun endlich Zeit. 

Manchmal geschehen Dinge in unserem Leben wo sich im ersten Moment einfach nur miserabel anfühlen. Wenn man sich dem Ganzen jedoch vollkommen widmet, die Situation akzeptiert und das Grosse Ganze anschaut, merkt man oft, dass dabei doch noch einige Positive Dinge rausgezogen werden können. Sei es Isaac’s Mutter, welche so unerwartet aus unserem Leben gerissen wurde. Einfach nur scheisse und unfair. Wir wollten sie doch besser kennenlernen und mit ihr die Zeit geniessen, sowie mit ihr zusammen Isaac’s Wurzeln besser kennen lernen. Und plötzlich war sie einfach weg. Es ist hart, aber nun kommen mit der Beerdigung sämtliche Menschen aus Isaac’s Vergangenheit wieder zusammen. Sei es sein Vater, mit welchem er seit Jahren nicht mehr gesprochen hat oder seine alten Schulfreunden, sowie Halbgeschwister, Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins. Obwohl Isaac nun leider seine Wurzeln nicht zusammen mit seiner Mutter kennenlernen kann, kann er sie irgendwie doch durch seine Mutter kennenlernen und eventuell noch tiefer als sonst. Wir wurden genau zur richtigen Zeit gerufen, um bei ihr zu sein und uns zu verabschieden. Denn was ich hier noch gar nie geschrieben habe, waren dies meine ersten Worte, als ich Isaac Argumente brachte, dass wir unsere Reise besser nach Ghana anstatt Asien machen sollten, sagte ich folgendes: „Wir sollten Zeit mit deiner Mutter verbringen, man weiss ja nie wie lange sie noch lebt.“ Das obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch kerngesund war.

Dann kamen all diese kulturellen Erwartungen, welche von mir/uns verlangt wurden. Erwartungen, welche mich einfach nicht glücklich machten. Erwartungen welche mich in die Enge trieben. Auch Erwartungen von mir selbst, weil ich ja niemanden enttäuschen wollte. Weil ich die Konfrontation meiden wollte. Irgendwann wurde der kulturelle Druck und das Leben hier für mich so belastend, dass ich gezwungen wurde, endlich wie im letzten Artikel erwähnt (Den letzte Artikel findest du hier), meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahr zu nehmen und mich dafür stark zu machen. Mit kleinen Schritten machte ich das in der letzten Zeit immer wieder und irgendwie fühlt es sich nun wie ein erster grosse Schritt an, mich auch in Zukunft mehr für mich zu entscheiden und somit eine solche grosse Entscheidung für mein, aber schlussendlich auch für unser Wohlbefinden zu machen. 

Aus all diesen Erkenntnisse kann ich dich nur ermutigen, dass auch du dich für dich und deine Bedürfnisse und Wünsche stark machen solltest. Ich weiss, es ist für viele Menschen einfacher gesagt als getan, aber es lohnt sich wirklich! Denn wie bereits im letzten Artikel erwähnt, DU bist für dein eigenes Glück verantwortlich. Wenn du dich nicht für dich selbst einsetzt, wer macht es dann? 

Wer hätte gedacht, dass diese Ghana Reise eine solche Wende nimmt? Bevor wir abreisten, hatten Familie und enge Freunde Angst, dass wir vielleicht nicht mehr in die Schweiz zurückkehren wollen und jetzt komme ich früher zurück als gedacht. Dazu dachte ich, dass dieser Blog ein Reiseblog über das Land Ghana, seine Menschen und ihre Kultur wird. Wurde es zum Teil auch, jedoch auch ein Blog über meine Reise mit meinen Gefühlen und unser Weg zu uns selbst.

Mein nächster Artikel wird übrigens wieder mehr von Ghana und dessen Kultur sein. Denn am nächsten Samstag findet die Beerdigung von Alice statt und ich werde mit dem Einverständnis der Familie darüber schreiben. Denn die Beerdigungen hier in Ghana sind extrem anders, wie diejenigen bei uns in der Schweiz. 

3 Kommentare zu „Manchmal muss man harte Entscheidungen treffen

  1. Ich bin so unfassbar stolz so eine starke Frau meine Freundin nennen zu dürfen! Rahel ich habe so viel Resepkt vor Dir und deinen Entscheidungen. Ich bewundere Dich ❣❣❣

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