Worte haben eine bemerkenswerte Kraft – sie können aufbauen, inspirieren, aber auch zerstören. In einer Welt, in der die Meinungsfreiheit hoch geschätzt wird, vergessen wir manchmal, dass die Macht unserer Worte weitreichende Auswirkungen haben kann, besonders wenn es um die Meinungen geht, die wir über das Leben anderer äussern.
„Oft teilen wir unsere Meinung, ohne uns zu fragen, ob sie überhaupt einen Nutzen hat.“
Wir haben Vorurteile oder denken kritisch über die Lebensweise anderer. Das passiert oft in unseren Gedanken, aber oft teilen wir diese Ansichten den Betroffenen auch direkt mit, obwohl unsere Meinung für denjenigen überhaupt keinen Nutzen hat.
Es interessiert mich zum Beispiel nicht, ob dir mein Kleidungsstil nicht gefällt oder du meine Dance-Moves peinlich findest. Wer stört sich daran, dass jemand mit 60 so lebt, als wäre sie 30. Deine negative Einstellung über meinen Haarschnitt oder ob du ihn früher schöner fandest, ist genauso unwichtig. Solche negativen Ansichten helfen der betroffenen Person nicht und können sogar destruktiv sein. Wenn man darüber nachdenkt, sind persönliche Meinungen sowieso nur subjektive Ansichten oder auch oftmals ein Konstrukt unserer Gesellschaft.

Man könnte denken, dass man über der Meinung oder Kritik anderer stehen sollte. Aber was ist, wenn jemand nicht genug Selbstbewusstsein dafür hat? Unnötige Kommentare könnten genau in diese bereits vorhanden Unsicherheiten stechen oder neue Wunden erzeugen.. Ehrlichkeit ist wichtig, aber es ist auch okay, seine Kommentare manchmal für sich zu behalten.
„Was für den einen richtig ist, mag für den anderen falsch erscheinen.“
Ich selbst denke manchmal kritisch über die Lebensweisen anderer nach. Sobald ich mich dabei erwische, sage ich mir: „Warum sollte ich das Leben anderer verurteilen? Jeder soll doch so leben, wie es sich richtig anfühlt. Solange man sich nicht gegenseitig verletzt, ist es nicht wichtig, was ich davon halte.“
„Als Erwachsene sind wir Vorbilder für die nächste Generation.“
Die Art und Weise, wie wir unsere Ansichten äussern und wie wir die Lebensentscheidungen unserer Kinder unterstützen, hat einen bleibenden Einfluss auf ihre Entwicklung. Ich zum Beispiel versuche, meine Kinder möglichst ohne Vorurteile zu erziehen. Es ist mir wichtig, wie ich meine Sichtweise ausdrücke, damit sie sich frei fühlen, ihre eigene Meinung zu bilden, unabhängig davon ob ich das nun so gut finde oder nicht. Wir Erwachsene sind die Helden unserer Kinder, und unsere Sicht ist ihnen besonders wichtig. Deshalb ist es entscheidend, dass wir sie mit unseren Worten unterstützen, wenn sie Entscheidungen treffen, anstatt sie schlechtzureden. Dasselbe gilt selbstverständlich für uns Erwachsenen. (Natürlich immer mit der Vorsicht, dass es nicht lebensgefährlich wird 😉) So hat es mich immer fasziniert, wie eine sehr gute Freundin von mir mit ihrer damals 3-Jährigen Tochter kommunizierte. Trotz Angst, dass sie sich verletzen könnte, rief sie ihr beispielsweise hinterher: ‚Ja, du schaffst das, und wenn du hinfällst, dann werde ich dich trösten.‘
Nun, um den Gedankenprozess abzuschliessen, hier sind einige abschliessende Fragen für dich:
- Hast du dich schon einmal dabei erwischt, kritisch über das Leben anderer nachzudenken? Wie gehst du damit um?
- Inwiefern beeinflusst die Meinung von anderen Menschen deine Entscheidungen oder dein Selbstbewusstsein?
- Wie kannst du dazu beitragen, eine unterstützende und vorurteilsfreie Umgebung für Mitmenschen zu schaffen, sei es in deiner Familie oder Gemeinschaft?
- Welche Bedeutung hat die positive Unterstützung von Erwachsenen in deiner eigenen Kindheit für deine Entwicklung gehabt?