Irgendwann reicht es!

Die letzten Artikel waren nicht wie ich mir jemals vorgestellt habe, dass mein Blog eine solche Richtung einnimmt. In meinen Vorstellungen sah ich mich am Strand mit meinen Liebsten in den Wellen hüpfend oder wie ich in einer Hängematte meine Seele baumeln lasse. Ich sah mich mit neuen Bekanntschaften, wie ich mich mit ihnen über Gott und die Welt unterhalte. Gelächter, Freude, Tanzen, Neues lernen, viel Zeit für mich selbst und vieles mehr. Tatsächlich bin ich jedoch nun in einer anderen Realität angekommen und obwohl mir bewusst ist, dass alles im Leben temporär ist, sehe ich im Moment fast keinen Ausweg.

Denn nach Allem was sonst emotional schwierig war, wurde ich auch noch krank. Ein stechen im gesamten Brustkorb bis in die Schultern. Auf einmal war der Atemzug so kurz, wo nur ein Millimeter tiefer einen enormen Schmerz auslöste. Da kam sie, die Panik und machte sich in meinem ganzen Körper breit. Was wenn ich jetzt nicht mehr richtig atmen kann? Wie lange dauert es bis ich irgendwo bin wo man mich versorgen kann? Habe ich Corona? Ist es eine Lungenentzündung? Stimmt etwas mit meinem Herz nicht? Da kam einfach alles hoch und ich meinte: „Es kackt mich einfach alles an, ich mag nicht mehr.“ Und da kullerten die Tränen und Isaac fragt dann noch so doof: „Was kackt dich denn so an?“ „Einfach ALLES, ich will einfach nur noch nach Hause.“ (Es ist dir vergeben Isaac, ich weiss dass du es gerade auch nicht einfach hast, da kommen manchmal halt so dumme Fragen 😉 ) 

Ich entschied mich telefonisch bei meiner Krankenkasse zu melden, für eine ärztliche Beratung. Vielleicht haben die irgend einen Tipp oder schicken mich gleich ins Krankenhaus. (Tellmed lässt Grüssen) Zu diesem Zeitpunkt stand gerade keine Ärztin oder Arzt zur Verfügung. Man teilte mir mit, dass sich innerhalb von 30 Minuten jemand melden wird. Als ich mit der Telefonistin gesprochen habe, merkte ich, dass sich mein Atem bereits wieder ein bisschen normalisierte und in der Wartezeit erinnerte ich mich an ein Video, welches ich anfangs Coronazeit einmal geschaut habe. Es handelte sich um ein älteres Ehepaar, welches von Corona betroffen war und sie dachten, dass sie es womöglich nicht lebendig zurück schaffen. Da erzählte der Mann von einer Atemtechnik, welche seine Lungenwerte enorm verbesserte. So öffnete ich YouTube und tippte: Covid Breathe Technique (das Video von damals war auf Englisch, deshalb versuchte ich mein Glück auf Englisch.) Da klickte ich das erste Video an und folgte den Anweisungen. Sechs Mal ein schneller aber tiefen Atemzug nehmen, jeweils 5 Sekunden die Luft innehalten und dann langsam wieder ausatmen. Beim 6. Mal durch Husten die Luft rauslassen. Und tatsächlich, der Schmerz beim Einatmen kam weniger schnell und so normalisierte sich mein Atem wieder. Das Gefühl von hyperventilieren verschwand und mein Körper fühlte sich wieder normaler an. 

Den restliche Tag verbrachte ich im Bett und versuchte mich sowenig wie möglich zu bewegen. Denn jede Bewegung war einfach nur höllisch schmerzhaft im Brustkorb. Zwei Tage später fühlte ich mich auch praktisch wieder wie vorher und frage mich, was das alles war? Ein Warnsignal von meinem Körper. „Rahel bitte schaue besser zu dir und gehe nicht ständig über deine Grenzen.“ Wie oft gehen wir Menschen über unsere Grenzen, da wir denken, wir müssen es allen Recht machen. Wie viele Menschen gibt es wohl, welche immer zuerst schauen wie es den Anderen geht oder was die Anderen wohl denken, bevor sie auf sich selbst schauen? Warum ist es oft so schwer, sich an die erste Stelle zu setzen? Denn eigentlich wäre es doch so logisch, wenn es einem gut geht, ist man für die Anderen auch eine viel bessere Hilfe. Etwas, was mir in meinem Leben immer wieder mal begegnet. Ereignisse wo ich zuerst an alle anderen denke und dann erst an mich. Und nun bin ich gezwungen, diese Eigenschaft an mir zu hinterfragen und anzupassen. 

Und wie ein Nachbar zu meinem Blog kommentierte, ist es nun wichtig, dass ich die Balance finde. Es ist nicht einfach sich ausserhalb seiner Komfortzone zu bewegen und benötigt wohl Zeit. Und ich verspreche, bald kommen auch wieder andere Artikel, welche euch mehr über Ghana und dessen Kultur verraten. Nächste Woche zum Beispiel, gehen wir ins Dorf wo Isaacs Mutter gross wurde. Es findet der „Wochentag“ statt. Das ist ein Teil der Beerdigung. Die eigentliche Beerdigung findet jedoch erst anfangs Dezember statt. Auf diese Reisen werde ich euch mitnehmen, denn laut Aussage von meiner Schwägerin, hat die Ashanti Kultur die schönsten Beerdigungen.

Heute kam bereits die Schneiderin und hat mir mein Kleid gezeigt. Anscheinend steht es mir super, ich selber habe mich darin noch nicht gesehen. Silas meinte: „Mami, I don’t like this dress. Take it off.“ Wem soll ich nun wohl glauben? Denn normalerweise wenn ich mich jeweils schön anzog, sagte er mir immer: „Wow, Mami, du siehst schön aus.“ Ja, wirklich, er sagt mir das jeweils immer, wenn ich mich bereit machte, wenn ich mich irgendwo mit Freunden traf. Und nicht weil Isaac ihm das vorgemacht hat 😉

Und ja, ihr habt vorher richtig gelesen, Silas spricht seit Neustem auch mit mir Englisch. Und wenn man bedenkt, dass er bei Beginn dieser Reise kein Wort Englisch sprechen, sondern nur verstehen wollte, spricht er jetzt super Englisch. Und Skyah unsere Kleine erweitert ihren deutsche und auch ihren Twi-Wortschatz enorm. Auch Silas nimmt immer mehr Twi Wörter auf. Kinder sind einfach wunderbar und sie bringen mich immer wieder zum strahlen.

Hier noch ein paar Momentaufnahme, welche einem die Sorgen vergessen lassen. Momente welche ich immer sehr geniesse. Weil wir gemeinsam lachen und Spass haben.

José, der einfach immer ein Lachen im Gesicht hat und uns auch immer wieder eines ins Gesicht zaubert.
Als Dave sein Fahrrad nicht mehr zurückgeben wollte.
Bei unserem Abendspaziergang, wo wir immer neue Wege nehmen.

2 Kommentare zu „Irgendwann reicht es!

Hinterlasse eine Antwort zu Rahel FuYe Antworten abbrechen